BauertothePeople (B2P)

Wilhelm Geiger

Ahaa! - Darf man Tiere töten?

... erklärt von Christian Dürnberger, Schriftsteller und Experte für Ethik und Philosophie

07.08.2022 11 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge der BauertothePeople Ahaa!-Momente nähern wir uns zusammen mit dem Schriftsteller und Experten für Ethik und Philosophie, Christian Dürnberger, der Frage an, ob man Tiere töten darf.

Christian war auch schon in der Folge 32 zu Gast in unserem Podcast.

Transkript

Einleitung
00:00:16
Ich. In dieser Ausgabe der Aha-Momente wollen wir uns gemeinsam mit dem Schriftsteller und Universitätsdozenten Christian der Frage nähren, ob man Tiere töten darf. Als Experte für die Themen Ethik und Philosophie beschreibt uns der Christian in dieser Episode unterschiedliche Zugänge aus Sicht der Ethik, wie man sich diesem Thema, nähern kann. Und möge auch dieses Mal der Aha-Moment mit euch sein.
Hauptteil
00:00:55
Darf man Tiere töten, um sie zu essen? Welche Perspektiven gibt es auf diese Frage aus Sicht der Wissenschaften? Ich möchte diese Frage ein bisschen weiten oder anders stellen und sagen, welche äh Antworten und Perspektiven gibt es aus Sicht der Ethik? Denn es ist eine ethische Fragestellung, die hier gestellt wird. Kurz gesagt. Ähm ist diese Antwort natürlich kontrovers diskutiert. Also es gibt in der Tierethik nicht die eine Antwort, welchen moralischen Umgang wir Tieren schulden und inwieweit es moralisch okay oder. Verwerflich ist, Tiere zu töten und in verschiedenen Kontexten natürlich, Aber schauen wir uns mal ganz, ganz grobe Positionen an, die hier möglich sind und auch vertreten worden sind oder werden. Wir könnten mal sagen, Ein Tier ist mehr oder weniger ein Ding, ist ein Gegenstand. Gehört dieser Gegenstand mir, kann ich mit ihm im Grunde machen, was ich will. Es werden wahrscheinlich die meisten, die diese Position hören ähm ein Gefühl in ihrer Bauch geben, empfinden und sagen, hey, so ist das doch net. Das ist doch da kann ich nicht mitgehen, da stimme ich nicht zu. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass über viele. Jahrhunderte, würde ich mal sagen, diese Position durchaus auch von den. Klügsten Köpfen ihrer Zeit vertreten worden sind äh ist. Oft zitiert es hier, Rene Dekade, ein ganz berühmter Philosoph, äh stirbt sechzehnhundertfünfzig, nur damit wir in zeitlich ungefähr einordnen. Und er sagt so etwas wie Tiere fühlen keinen Schmerz. Die sind so was Ähnliches wie Maschinen, also sein Zitat ist also wenn die schreien, ihre Schmerzen schreien, bedeuten nicht mehr als das Quietschen eines Rades. Gemeinde ist ein Zahnrad, also so wie wir, wenn Ur. Nicht gut geölt ist, dann quietscht da etwas und genau so quietscht auch ein Schwein, quietscht ein Hund, aber das sind keine Schmerzen, die die wirklich empfinden. Mit dieser Position, wie zuvor gesagt, werden die wenigsten Menschen gegenwärtig mitgehen. Warum? Unser Bauchgefühl, unsere moralische Grundüberzeugung, widerspricht dem und auch. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten hunderte Jahre widersprechen dem. Das heißt wir haben gute, plausible. Gründe anzunehmen, dass Tiere tatsächlich Leid empfinden. Warum formuliere ich das so kompliziert? Na ja rein philosophisch weiß ich eigentlich nichts über den Schmerz von anderen, auch nicht über den Schmerz von anderen Menschen. Ich kenne nur meinen eigenen Schmerz, aber es ist hoch plausibel anzunehmen, dass Tiere leidensfähige Kreaturen sind. Wenn Tiere also nichts zu tun, als würden sie Schmerzempfinden? Sondern tatsächlich Schmerzempfinden ist der moralische Imperativ, also das, was wir machen sollen, watschen einfach. Wir versuchen einem Tier Leid zu ersparen. Keine Tierquälerei, wir schauen, dass das dies dass das Tier gesund ist. Das ist kurz gesagt, der Gedanke des Patozentrischen Tierschutzes. Begriff Partozentrismus, den erläutere ich gleich. Also es ist der Gedanke des Tierschutzes. Wir versuchen Tiere vor Leid, schützen. Warum nennt man das Partozentrismus? Weil Pathos im Altgriechischen Schmerz, Bedeutet und wir fokussieren hier auf alle Wesen, die leidensfähig sind. Ein ganz berühmter Name in der in der Ethikgeschichte ist hier Jeremy Bantham, ein englischer Philosoph. Deine ganz ganz andere Ethik vertritt als bei uns im deutschsprachigen Raum damals üblich. Im deutschsprachigen Raum, ich nenne nur den Namen Immanuel Kant, da geht's nicht zuletzt darum, kann ein Wesen vernünftig nachdenken. Wenn ja, dann schulden wir einen gewissen moralischen Umgang. Wer kann auf diesem Planeten vernünftig nachdenken, denn im Endeffekt, Stand jetzt ist es nur der Mensch in in unserer Perspektive und Benthem sagt, die Frage, ob jemand Vernunft hat, ist zwar spannend, Aber das ist nicht relevant. Das ist nicht die relevante Frage, wenn's darum geht, wem wir moralischen Umgang schulden. Und er sagt, da geht's darum. Können Sie leiden. Das berühmte Zitat von Bentheim, das ist ewig, aber es ist das berühmteste Zitat von der Tierethik. Ich werd's jetzt nicht raussuchen und vorlesen, aber das Ende des Zitats ist ganz ganz berühmt. Da sagt er, Die Frage ist nicht, können Sie denken oder können Sie sprechen? Also die Tiere, sondern können sie leiden. Und alle Wesen, die leiden können. Müssen wir moralisch berücksichtigen. Jeremy Benthon begründet damit gewissermaßen. Modernen Tierschutz, könnte man so sagen, mit Blick auf die Ausgangsfrage dürfen wir Tiere eigentlich halten, um sie zu töten, um sie um sie beispielsweise zu essen, müssen wir aber genau sein, darauf gibt er keine Antwort, sondern es ist eine Antwort würde ihr lauten. Wir dürfen Tiere nicht quälen, wir müssen hier leider ernst nehmen, aber das bedeutet ja noch nicht, dass wir's nicht töten dürfen das Tier. Da müssen wir auf diesen Punkt kommen wir noch, ähm. Stringend sein, Jetzt können wir die nächste Position einnehmen und sagen, es genügt nicht, dass Tiere leidensfrei sind, sondern wir sollten uns die Frage stellen, hat ein Tier ein gutes Leben zu einem guten Leben gehört nämlich mehr als nur Leidensfreiheit? Da sind wir im Bereich des sogenannten Tierwohls, seines Konzeptes des gegenwärtig vielfach diskutiert wird, nicht nur in der Wissenschaft, bei den sogenannten animal Sciences, sondern auch im in der Werbung, im Marketing. Ähm der Clou des Konzeptes Tierwohl ist es, dass man jetzt über die Leidensfreiheit dann hinausgeht und beispielsweise auch die Frage stellt, kann ein Tier, zumindest weitgehend sein, angeborenes Verhaltensrepertoire ausleben, kommt's zum Beispiel in Kontakt mit Artgenossen et cetera, ist am Schwein in einem Stall fahrt oder kann es sich mit irgendwas beschäftigen? Das sind alles Fragen, die im Konzept Tierwohl aufgegriffen werden und die schön illustrieren Tierwohl meint mehr als patozentrischen Tierschutz. Und schließlich die vierte, grob zusammengefasste Position. Äh ist die Position der sogenannten Tierrechte. Tierrechte bedeutet hier in der Ethik übrigens nicht das, was im Gesetz steht, also was im Tierschutzgesetz steht, welche, Rechte dort, wie beschrieben sind, sondern Tierrechte ist eine Position der Philosophie, der Ethik und dieses Tierrechte besagt, ein Tier hat ganz grob zusammengefasst, ein Tier hat, das Recht auf ein unversehrtes Leben, ohne vernutzt zu werden, also kein Tier stirbt freiwillig, möchte freiwillig in den Schlachthof gehen zum beispielsweise, deswegen ein Tier hat ein Recht auf Leben. Dieser letzte Gedanke wird ganz, ganz stark mit. Tom Reagan assoziiert Tom Reagan ist ein amerikanischer Philosoph 2017 verstorben, der schreibt in ein ähm, ist Ende 70er, Anfang achtziger, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiges Buch und damit begründet er diese sogenannte Tierrechte Position, denn eines muss man sagen, Die Tierrechteposition bringt eine völlig neue Dimension in die gesamte Debatte. Tierschutzkonzepte oder Tierwohlkonzepte laufen ja darauf hinaus, dass wir sagen, wir müssen Tieren ein bestmögliches Leben. Ermöglichen, dann aber dürfen wir sie schlachten, um sie zu essen. Tierrecht, weil unter implizierte Gedankengang dabei ist, Tiere sind Schmerzen empfindliche Lebewesen, deswegen versuchen wir, den Schmerz zu ersparen, wollen ein bestmögliches Leben führen, deswegen versuchen wir das zu realisieren, aber Sie haben ganz grob zusammengefasst, nicht dieselbe Art des Selbstbewusstseins, nicht dieselben intensiven, gratis Selbstbewusstseins wie ein Mensch, Deswegen ist das Schlachten in Ordnung. Darauf läuft diese Position hinaus. Tom Regen wider widerspricht dem jetzt und sagt, Tiere haben, auch wenn sie nicht den selben Grad an Selbstbewusstsein haben, wie Menschen, ein Recht darauf, ein Leben zu führen und dieses Leben dürfen wir nicht beenden. Zu einem berühmtes Begrifflichkeits- oder berühmte Begrifflichkeit lautet hierbei, Tiere sind empfindende Subjekte ihres Lebens. Deswegen haben sie ein Recht auf Leben. Die Konsequenzen dieses sogenannten Tierrechteansatzes sind dabei und das ist ein wörtliches Zitat von Regen klar und kompromisslos. Es läuft nämlich um zwei Beispiele zu geben. Es läuft darauf hinaus. Für eine Abschaffung der gegenwärtigen Nutztierhaltung oder der Nutztierhaltung überhaupt. Äh votiert. Man könnte auch die Frage stellen. Vielleicht betrifft's auch manche Heimtierhaltungsformen und auch Tierversuche müssen laut Reagan ohne Ausnahme gestoppt werden. Ja, weil diese Tiere routinemäßig und systematisch wäre es dann sagt, so behandelt werden. Als wäre ihr wert auf ihre Nützlichkeit für andere, für uns Menschen reduzierbar und das ist unmoralisch. Wir sehen hier hochgradig unterschiedliche Positionen, die verschiedene Antworten auf die Frage geben. Ist es moralisch rechtfertigbar, Tiere zu halten, um sie zu schlachten, um die Produkte zu essen? Ich persönlich habe in meinem Ethikverständnis eine starke deskriptive Orientierung, das heißt ich arbeite nicht normativ, ich schreibe in meinem Papers, in meinen Vorträgen ähm. Nichts vor gewissermaßen, was ist die moralisch richtige Antwort? Das ist eh üblich in der Tierethik, dass man das doch tut, also Regen gibt Antwort. Wie sollen wir Tiere moralisch behandeln? Peter Singer gibt Antwort, wie sollen wir Tiere moralisch behandeln? Welchen Umgang schulden wir ihnen? Daneben gibt's aber auch die deskriptive Ethik. Hier nicht versucht moralische Gewissheiten in die Welt zu tragen und zu sagen, das ist richtig, das ist falsch, sondern moralische Kontroversen und Positionen zu beschreiben. Deswegen würde ich im Vorlesungssaal an dieser Stelle sagen, so das sind vier mögliche Positionen und jetzt denken Sie mal drüber nach, wo Sie sich selbst verorten.
Intro_Outro
00:10:18

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